In unserem aktuellen Themenmonat geht es um das Phänomen der Filterblasen. Gerade jetzt, kurz vor der Bundestagswahl, ist das Thema der Informationsgewinnung und Meinungsbildung im Netz in aller Munde. Doch Algorithmen beeinflussen den Medienkonsum immer stärker. Dadurch enstehen Filterblasen. Wir erklären Dir was sie sind und geben Dir mit diesem Deep Dive die Möglichkeit, solche Blasen zu erkennen und ihnen zu entgehen.

Wie entstehen eigentlich Filterblasen?

Die Grundlage, um die Entstehung von Filterblasen zu verstehen, sind zwei Beobachtungen.

Inhalte werden konsolidiert und über Plattformen konsumiert

Das Nutzer- und Medienkonsumverhalten verändert sich. Digitale Inhalte werden nicht einzeln von vielen Quellen, sondern vermehrt über Plattformen wie Google, Facebook oder YouTube konsumiert. Diese Plattformen speichern Suchanfragen und Nutzerdaten, um Inhalte zu personalisieren und zu sortieren.

Instant-Gesellschaft: alles sofort auf Knopfdruck

Wir haben uns heute an Echtzeit-Kommunikation und -Service gewöhnt. Egal ob Taxibestellung oder 1-Click Shopping auf Amazon. Die Erwartungshaltung "Alles sofort" stellen wir auch an Nachrichten und dem Konsum von Inhalten. Das geht oft auf Kosten der gründlichen Recherche und tiefgehender Auseinandersetzung mit einem Thema. Selbst etablierte Medien beugen sich dem Echtzeit-Druck z.B. in der Live-Berichterstattung oder beim Verlesen von Twitter-Newsfeeds in den TV-Nachrichten.

So werden Medienkonsum und Informationsvermittlung immer stärker durch Plattformen und deren Algorithmen gesteuert, um dem Nutzer alles auf einen Blick und in Echtzeit zu gewährleisten. Und genau dort können Filterblasen entstehen – wenn Dir algorithmusbasiert Inhalte angezeigt werden, die Deine Meinungen und Deinem bisherigen Nutzerverhalten entsprechen.

Definition: Was sind Filterblasen?

Filterblasen (auch als Echokammern bezeichnet) entstehen, weil Webseiten durch Algorithmen vorauszusagen versuchen, welche Informationen Nutzer auffinden möchten. Diese Prognosen basieren auf bereits gesammelten, verfügbaren Informationen über den jeweiligen Nutzer – z.B. Standort, Suchhistorie oder Klickverhalten. Daraus entsteht eine “Blase” aus gefilterten Inhalten, welche den Nutzern angezeigt werden. Der Begriff Filterblase wurde von dem Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch* geprägt.

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Was kannst Du also tun, um trotzdem objektiv und umfassend informiert zu werden?.

Wie funktioniert das Filtern?

Am Beispiel Google und Facebook erklären wir Dir – in Kurzform – wie das Filtern funktioniert. Google nutzt zum Beispiel diverse „Signale“ (Such-Stichworte, Standort, Status-Updates von Kontakten auf Sozialen-Netzwerk-Seiten, etc.) um Suchergebnisse individuell an den User anzupassen. Facebook hingegen beobachtet die Interaktionen eines Nutzer mit anderen Nutzern und filtert Posts von bestimmten Usern. Das bedeutet, Benutzeraktivitäten (z.B. Klickhistorie) werden in eine einzige Benutzeridentität übersetzt – auf Grundlage dieser Identität werden bestimmte Informationen herausgefiltert und ausgegeben.

Diskurs und Auswirkungen von Filterblasen

Während manche davon ausgehen, dass der Effekt dieser Filterblasen gering ist, sehen andere darin ein großes Problem: eine isolierende Blase schadet dem Diskurs in unserer Gesellschaft.

Fakt ist: die Vielzahl an Informationen im Netz bedarf Filterfunktionen. Die wichtige Frage dabei lautet: Wer kontrolliert bzw. steuert die Filterfunktion? Was wird gespeichert? Was wird gefiter? Dahinter steht die Frage der Transparenz. Und die geht über soziale Netzwerke hinaus.

Die Ur-Definition der “Filterblase” von Pariser bezieht sich auf die Facebook Algorithmen. Diese ändert sich allerdings häufig und umfassen inzwischen über mehrere tausend Faktoren, die mithilfe künstlicher Intelligenz zu Inhalten und Content-Angeboten übersetzt werden. Dabei sollte ist zu beachten, dass Facebook mit den Filterfunktionen nicht auf Meinungsmache oder Manipulation abzielt – dahinter steht eine globales Marketingunternehmen, welches auf Reichweiten und Engagement der User abzielt und angewiesen ist.

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Filterblasen gab es schon immer – auch offline. Der Konsum von Medien ist kanalübergreifend von der Nutzergewohnheit geprägt, Inhalte zu bevorzugen und zu selektieren, die den Meinungen oder Überzeugungen des Nutzers entsprechen. Gleiches gilt auch beim Konsumverhalten und bei sozialer Interaktion. Das gibt Filterblasen eine soziale Dimension. Sie treten im Netz deutlicher und schneller zutage, doch das Web und Social Media sind nicht die Ursache von Polarisierung und Abkapselung von Information.

Wie kann bessere Personalisierung aussehen?

All das ist kein neues Problem. Denn trotz dem Wissen über Filterblasen ist es Ziel, Inhalte zu personalisieren, um sie relevanter und sichtbar zu machen. Für eine bessere Personalisierung von Inhalten bedienen wir uns den Kriterien von Paul Resnick von der Universität Michigan, USA. Er schlägt folgende Kriterien vor:

  • Mehrdimensionale Präferenzen: Thema, Standort, Sichtweise/Ideologie, Publikum u. a. optimieren das Verhältnis von Erforschung der Nutzerinteressen und kommerzieller Verwertung.

  • Portfolio-Präferenzen: Mischung aus herausfordernden und bestätigenden Informationen ermöglichen.

  • Zeitversetzter Präferenz-Indikator: Unterscheidung von Kurzzeit- und Langzeit-Präferenzen einführen.

  • Impuls in Richtung Langzeit-Präferenzen: Inhalte zu Unterhaltung (kurzfristiges Interesse) und zu Bildung (langfristiges Interesse).

  • Gemeinsames Referenzpunkt-Feature: Beliebten Themen integrieren, für die sich Nutzer sonst nicht interessiert.

  • Features, die eine Perspektive einnehmen: um Meinungen anderer Menschen verstehen zu können.

Bis diese Kritierien in den heute bestimmenden Algoritmen alle implementiert sind, kannst Du allerdings selbst auch schon einiges tun …

Wie Du auf Filterblasen reagieren kannst

Um als Privatperson neue, ungefilterte Inhalte zu erhalten, bieten sich zunächst einige simple Strategien an:

  • Feed- und Newsreader abonnieren (versuche dort unterschiedliche Quellen und Meinungen zu abonnieren)
  • Netzwerkveranstaltungen besuchen: das analoge Äquivalent zum ersten Punkt
  • Austausch mit (Fach-)Kollegen suchen
  • Alternative Informationsquellen abseits von Google und Facebook nutzen

Klar, das ist keine Raketenwissenschaft. Aber Hand aufs Herz: tun wir die oben genannten Dinge wirklich, wenn wir uns informieren?

Filterblasen: Was #Algorithmen mit Deinem Informationsverhalten machen #media #content jetzt zwitschern

Es gibt bereits heute einige Anbieter, die Inhalte kuratieren und so aufbereiten, dass Du als Nutzer vielfältige Informationen erhältst. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Buzzumo: analysiert Inhalte, die am besten performen (leider nur englischsprachig)
  • Krautreporter: unabhängiger und werbefreier Journalismus
  • Piqd: "handverlesen" kuratierte Artikel

Speziell für den Business-Kontext bietet sich im Übrigen noch eine andere Lösung, um frischen Wind in Deine Filterblase zu bekommen: das Echogramm.

Das Echogramm ist eine Social News App für Unternehmen. Die App aggregiert und kuratiert die besten und wichtigsten Inhalte, aktuellsten News und neuesten Trends Deiner Branche. Features, um die Informationsflut zu bewältigen und den Anschluss in der sich stetig wandelnden digitalen Welt nicht zu verpassen.

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Fazit: Filterblasen

Nun weißt Du, was Filterblasen sind und wie sie entstehen. Wir hoffen, dass Du das Wissen nutzt um Dich zukünftig besser zu informieren – oder zumindest doch für das Thema sensibilisert bist.

Wie sind Deine Erfahrungen mit Filterblasen? Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe uns auf Twitter unter @gravitales.